Rundbrief 10/2019

Entscheidungslosigkeit vs. Entschiedenheit

Liebe Freunde,

mit sehr herzlichen Grüßen und in großer Dankbarkeit stellen wir Euch unser neues Jahresprogramm 2020 zur Verfügung!
Es macht mich fast stolz, wie wir Euch damit die Vielfalt unserer Programme anbieten können. Andererseits empfinde ich eine große Demut und Dankbarkeit für das, was hier in vielen Jahren gewachsen ist. Da steckt soviel Herzblut, Glaube und Kompetenz drin. Viele Personen aus der Lebensgemeinschaft, dem Jahresteam, von Vereinsmitgliedern und ehrenamtlichen Mitarbeitern, Referenten und befreundeten Partnerwerken sind daran beteiligt. Das Haus- & Hof-Team ist Garant dafür, dass viele von Euch die Schönheit der Häuser und das entspannende Ambiente im Gelände und im Bauerengarten genießen dürfen. Unsere Küchenteams schaffen sozusagen eine Möglichkeit, um zu „schmecken und sehen, wie freundlich der HERR ist“.

Ja, wir sind Gott so dankbar für SEINE Hilfe und Bewahrung, für SEIN Handeln an uns und Euch. Bewegende Zeugnisse vom Gebetsweg, den Seminaren und Treffen tun auch uns gut. Im April bis Mai hat uns die Vielfalt der Aufgaben fast überfordert. Da waren wir dankbar über Helfer von außen, für Doris und Günther Lang, die als Vorruheständler einige Monate hier mitleben und uns tatkräftig und fröhlich beistehen. Große Freude macht uns wieder unser neues Jahresteam sowie Lisa und Ricardo, die ein zweites Jahr als Co-Mitarbeiter hier dabei sind. Über diese starke Unterstützung sind wir sehr froh.

Was uns sonst bewegt:
Auf die Frage, wie steht`s mit der Baugenehmigung für das Seminar-Gästehaus, müssen wir noch immer antworten: sie ist beim Bauamt und wir warten darauf. Derzeit hätten wir auch kaum die Power, das zu stemmen. Nach äußerst anstrengenden Aufbaujahren und Beeinträchtigungen durch Krankheiten wollen wir nun für ein Jahr andere Schwerpunkte setzen. Wir wollen Innehalten und Berufungsfragen klären, einige Störungen im Miteinander bearbeiten. Entsprechend unserem Thema wollen wir unsere Gemeinschafts- und Entscheidungsfähigkeit auf eine höhere Ebene bringen.
Unsere finanzielle Versorgung als Glaubenswerk ist existenziell so wie „das Manna in der Wüste“. Ich möchte Euch dies nochmal besonders an Herz legen. Eure Spenden und Opfer sind neben den wirtschaftlichen Einnahmen des Gästebetriebs die eigentliche Quelle unserer Versorgung. Wir sind dankbar, wenn Freunde sich entscheiden, einen Dauerauftrag ein-zurichten. Mehr Infos über die laufenden Kosten und unsere Spenden-Aktion 164 auf der Rückseite.
Mit dem Mai-Rundbrief haben wir drei Begriffe formuliert und wollen weitere Impulse dazu anbieten; wollen anregen Antworten auf das Defizit von Gemeinschafts-, Entscheidungs- und Ori-ntierungslosigkeit zu finden. Nehmt es als Impulse, um selbst daran zu arbeiten, mit Freunden und Verantwortlichen darüber zu sprechen, Gott zu fragen, was ist mein, was ist unser Anteil und der Weg den DU uns führen willst?
Die Strukturreform der Landeskirche ist für viele unserer Freunde und auch bei uns ein großes Thema. Es belastet Personen und Gremien und kaum jemand kann dahinter „die Weisheit von oben her“ erkennen. Bei unserem Gebetstag am 5. Oktober drückte es ein Leiter so aus: „Viele verlieren derzeit die Freude an dieser Kirche und Orientierung, auch ein Stück Heimat.“ Wir wollen Euch ermutigen, nicht zu resignieren und in die neuen Strukturen hinein christusgemäße Formen des verbindlichen, gemeinsamen Lebens zu installieren.
Im Sinne unseres Themas wünsche ich uns allen eine Entschiedenheit in der Weise, wie es einer in Ps.116 klar formuliert: ICH WILL den Herrn anrufen, ihm Dank opfern und meine Versprechen erfüllen.


Über die Gläubigen des Anfangs wird gesagt: sie blieben beständig in der Gemeinschaft; an anderer Stelle „sie waren stets beieinander“. Ich denke, das war nicht nur zeitlich sondern auch vom Geist her zu verstehen. Grundsätzlich haben sie sich entschieden, was generell an erster Stelle steht, also die Prioritäten klar gehabt und damit hatten sie dann auch die Zeit dafür.

Ich habe die Grundüberzeugung, dass ich, dass wir als Jünger Jesu generell dort präsent sein müssen, wo wir von IHM her sein sollen. Schon als Unternehmer war mir klar, dass es eben Abende gibt, die für Gebetsabend, Hauskreis und vereinbarte Projekte immer den Vorrang haben. Auch Sonntag ist klar und da muss ich nicht überlegen, ob ich zur Gemeinde gehe, das ist bereits entschieden. Derzeit bin ich für eine Woche zum Gebet und Stille in einem Kloster. Das ist entschieden seit Anfang des Jahres.

Warum verhandeln wir denn dieses Thema? Um das zu verstehen, bitte ich nochmal unseren Rundbrief von Mai 2019, die täglichen Nachrichten über die Individualgesellschaft und die Rückmeldungen der Gemeindeverantwortlichen zu lesen. Irgendwie haben viele von allem zu viel! - Wobei ich sehr wohl sehe, dass manche von allem zu wenig haben. Ist das Gottes Idee und Gedanke? - Vermutlich nicht! Was können oder was müssen wir denn nun tun? Vielleicht einfach mal nachdenken, was würde Jesus tun. Wie würde er heute leben? Könnte es sein, dass ER sich wieder konsequent Zeit für die Jünger nähme, sich regelmäßig in die Stille zurückziehen und seiner Berufung absoluten Vorrang gäbe und dann da und dort in Vollmacht den Menschen dienen würde? Könnte das so sein?

Es gäbe natürlich noch mehr dazu zu sagen, aber wenn es darum geht, dass wir wieder gemeinschaftsfähig im Sinne Gottes sind und klare Entscheide von uns gefordert werden, dann lasse ich dazu drei geistreichere Männer zu Wort kommen:

Yves Congar, Mönch, geb. 1904

„Der höchste Wert ist die Heranbildung einer Gemeinschaft von Gläubigen, in der der HERR Gaben und Dienste hervorruft, durch die er seinen Leib auferbaut.“

Martin Luther, in der Vorrede zur Deutschen Messe und Ordnung des Gottesdienstes

„Ach, ich sehne mich danach, dass wir Kerne hätten in den Gemeinden von Christus ganz hingegebenen Menschen. (…) Aber die dritte Art, die die richtige Art der evangelischen Ordnung haben sollte, müsste nicht so öffentlich auf dem Platz geschehen. (…) Diejenigen, die mit Ernst Christen sein wollen und das Evangelium mit Hand und Mund bekennen, müssten sich namentlich einschreiben und in einem Haus sich allein versammeln zum Gebet, zum Lesen, (…) und andere christliche Werke auszuüben.“

Markus Müller, Zitat aus einem Vortrag von 2008

„Ganz besonders prädestiniert sind unsere Gemeinden, denn „Jetzt schon können wir sagen, dass es im Hinblick auf eine künftige Gesellschaft darauf ankommt, ob es den Christen gelingt, Orte der Wahrheit, der Barmherzigkeit und der Hoffnung zu schaffen. Freiwillig eingegangene Verbindlichkeit dürfte eines der Kernmerkmale sein.“