Rundbrief 11/2020

Liebe Freunde,

wir grüßen euch herzlich mitten in dieser verrückten Zeit.

Unser letzter Freundesbrief ist schon ein paar Monate her und wir blicken inzwischen dankbar zurück auf eine sehr herausfordernde Zeit mit Brüchen, Abschieden, Unsicherheiten, Anstrengungen und Ringen. Wir mussten Menschen ziehen lassen, die andauernde Ungewissheit in Zusammenhang mit Corona und dem Gästebetrieb jonglieren, um Beziehungen kämpfen und Entscheidungen treffen.

Spannungen

In all dem trösten und beruhigen mich Worte des weltweit bekannten Gründers der Arche-Gemeinschaft, Jean Vanier. In seinem Standardwerk über christliche Gemeinschaft schreibt er: „Oft bedeuten Spannungen auch notwendige Etappen zu einer tieferen Einheit, denn sie lassen Schwächen offenbar werden, die Wandlungen in der inneren Ausrichtung und der Strukturierung der Gemeinschaft erfordern - oder einfach mehr Demut. Erst wenn schon lange schwelende Spannungen brutal zutage treten, kann man versuchen, ihre wahren Gründe zu erkennen und Abhilfe zu schaffen.“ (Vanier, J. (1999). In Gemeinschaft leben. S. 158) Es tut gut zu wissen, dass wir bei weitem nicht die ersten sind, die eine solch schwierige Situation zu bewältigen haben. Es war hart und kräftezehrend, aber mittlerweile sind wir dabei „Abhilfe zu schaffen“. Das bedeutet, dass wir als Lebensgemeinschaft gerade viel Zeit dafür aufwenden, neue Klarheit in unsere Beziehungen und Strukturen zu bringen. Da uns bewusst ist, dass das Zeit braucht, haben wir zwei Entscheidungen getroffen.

Entscheidungen

Zum einen treten wir inhaltlich einen kleinen Schritt kürzer. Das Jahresprogramm, das wir euch ganz freudig mit diesem Brief zukommen lassen, ist ein paar Seiten dünner. Und wir laden das nächste Jahresteam erst ab September 2021 wieder zu uns ein. So haben wir Zeit, uns dem Aufarbeitungs- und Klärungsprozess angemessen zu widmen.

Unterstützung

Kein Jahresteam zu haben bedeutet natürlich auch, dass wir auf helfende Hände unserer Freunde angewiesen sind. Seit September  starten wir monatliche Aufrufe und staunen über die große und fröhliche Hilfsbereitschaft, die uns entgegengebracht wird. Bis August  nächsten Jahres gibt es noch viel Bedarf. Wenn ihr gerne auch mal vorbeikommen und anpacken wollt, genügt eine E-Mail.

Eine besondere Form der Unterstützung erleben wir durch ein Ehepaar, dass wir als geistliche Begleitung unserer Lebensgemeinschaft gewinnen konnten. Sie gestalten den Prozess gemeinsam mit uns und so sind wir zuversichtlich, denn „Prüfungen, die eine oberflächliche Sicherheit zerbrechen, setzen oft verborgene Energien frei. Aus der Verletzung entsteht die Gemeinschaft in neuer Hoffnung.“ (Ebd. S. 157)

Auf den nächsten Seiten

geht es - weil wir da gerade aus dem Nähkästchen plaudern können - um Krisen, deren positive Aspekte und Bewältigung. Es geht um Vergebung und das Recht zu richten. Und es geht um Dinge, die uns im Alltag viel Freude, aber auch manche Sorge bereiten.

Mit farbenfrohen Herbstgrüßen im Namen der ganzen Lebensgemeinschaft,